4. Oktober, Schaibing: Erntedankfest

Erntedankfest: „Es gäbe wohl eine lange Liste, wofür jeder danken soll!“

Schaibing: Das Erntedankfest hat nach bayerischer Tradition auch in der Pfarrei Schaibing einen überaus hohen Stellenwert im Jahreskreis. Seit Jahren bleibt die Gemeinde nach dem Gottesdienst im Innenhof des Pfarrzentrums bei einem stimmigen Rahmenprogramm noch eine gute Weile beisammen, doch heuer war das Corona bedingt nicht möglich. Dafür begrüßten Blumenarrangements am Portal die Besucher und die Kirche war besonders festlich geschmückt. Der Gartenbauverein Ederlsdorf / Schaibing, der seinen Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder feierte, hatte den Altar mit Blumen und vielerlei Früchten prachtvoll gestaltet. Domkapitular Claus Bittner segnete die prächtige Erntekrone und die Erntedankgaben rund um den Altar. In seiner Predigt führte er aus, unser Land sei Jahrhunderte lang ein Bauernland gewesen, das Dankfest für die Ernte des Jahres sei deshalb tief in der Bevölkerung verwurzelt. Deutschland habe sich dann aber allmählich zu einem Industrieland und dann schnell zu einem technisierten und schließlich zu einem digitalisierten Land gewandelt. Zu beklagen sei nun in der Landwirtschaft ein massenhaftes Höfesterben und in den Pfarreien vielfach ein religiöser Schwund. Viele Menschen hätten da vergessen, dass hinter und über allem doch der Herrgott stehe. Domkapitular Claus Bittner: „Wenn wir keinen Glauben mehr haben, dann kann man auch nicht danken, weil man zum Danken ja einen Ansprechpartner braucht!“ Das Erntedankfest habe da seinen ursprünglichen und wichtigen Sinn vielfach verloren, sei vielleicht zu einer rein folkloristischen Veranstaltung geworden, die Lebensmittel kämen ja aus den Regalen der Supermärkte, in vielen Großstadtpfarrei gebe es kein Erntedankfest mehr. Eine Neubesinnung sei notwendig. Man habe neben dem täglichen Brot und für Speis und Trank vor allem auch zu danken für die Heimat, für die Arbeitsstelle, für die Familie und vor allem für ein gesundes   Leben, für den Partner in der Ehe, für die Eltern, die Kinder und Enkelkinder, für den Nachbarn, dem Freund für ein gutes Wort, dem Besucher am Krankenbett für Trost und Zuwendung. Der Domkapitular riet jedem, am Erntedankfest auch einmal darüber nachzudenken und vielleicht aufzuschreiben, wem und für was man danken soll. Die Liste werde sicher sehr lang werden. Der Festgottesdienst wurde hervorragend mitgestaltet von dem rhythmischen Chor „Panta Rhei“ aus Breitenberg, corona -bedingt nur in Dreierbesetzung mit Lydia Proksch, Gabi Stockinger und Patrik Lang. Die Botschaft ihrer Lieder unterstrich den Festtag.                

Text und Foto: Josef Reischl / Internetaufbereitung: Günter Maier